daydream structures
Evangelos Papadopoulos – daydream structures | Kunstverein Lippstadt, Germany
Curated by: Kathrin Heyer & Prof. Dr. Erich Franz
Introduction: Kathrin Heyer, Prof. Dr. Erich Franz & Franz- J. Laforet
Opening: 01 February 2026, 11:30 am
01.02 – 22.03.2026
Ein Zustand, der sich im Wahrnehmen permanent neu formt | By Kathrin Heyer, Dr. Erich Franz | 2026
Wer der Arbeit „daydream structures“ begegnet, merkt sofort: Das Auge findet keinen Ruhepunkt. Es gibt keine klar abgegrenzte Form. Keine Mitte. Keine Vertikale oder Horizontale. Keine Richtung, an der man sich festhalten könnte. Die Installation aus Holzleisten und weißen, teils zerbrochenen Flächen breitet sich im Raum aus, ohne ihn eindeutig zu bestätigen. Sie zieht sich hinter Raumteiler zurück. Sie taucht auf und verschwindet wieder. Sie gehört nicht eindeutig in einen Raum. Vielmehr wirkt sie wie eine Abfolge von Teilen, die sich ihren eigenen Raum nimmt. Der Blick wird angezogen. Und er wird weitergeführt. Unaufhaltsam. Von Element zu Element. Ohne je bei einem stehen bleiben zu können. Einzelne Teile lassen sich nicht isolieren. Kaum hat man etwas erfasst, springt das Auge schon weiter. Verbindungenb brechen ab. Neue beginnen. Es gibt keine logische Reihenfolge. Kein Oben und Unten. Kein Vor und Zurück. Alles ist gleichwertig. So entsteht eine besondere Form von Bewegung. Der Blick schlingt sich durch den Raum. Er rast, stockt, setzt neu an. Er folgt keiner festen Bahn. Gerade Kanten sind da. Doch sie geben keine Orientierung. Stattdessen entstehen immer neue Kurven im Sehen. (Die Formen sind gerade, doch das Auge macht Kurven.) Ein Geflecht aus Reizen. Aus Unterbrechungen. Aus Übergängen. Trotz dieser Zersplitterung wirkt das Werk als Einheit. Nicht durch Form. Sondern durch Rhythmus. Durch Geschwindigkeit. Durch den intensiven Zusammenklang der Bewegungen. Es entsteht eine Art visuelles Ballett. Eine einheitliche Dissonanz. Alles scheint ohne feste Regeln in Bewegung. Und doch gehört alles zusammen.
Bemerkenswert ist, dass diese Auflösung nicht aggressiv wirkt. Im Gegenteil. Das Werk besitzt etwas Heiteres. Spielerisches. Es wirkt leicht. Fragil. Fast schwerelos. Der Blick springt zwischen weißen Flächen und Holzstäben. Nicht die Materialien halten das Werk zusammen, sondern die Bewegung des Sehens. Die Einheit entsteht im Wahrnehmen. So erscheint die Installation wie ein Tagtraum. Man sieht sie und erlebt sie. Und zugleich nicht ganz fassbar. Sie scheint sich ständig zu verändern. Sie überschreitet Grenzen. Sie setzt sich
von einem Raum in den nächsten fort. Sie bildet Akzente, aber keinen Schwerpunkt. Alles ist in Bewegung. Auch der Blick selbst wird Teil des Werks.
In der Ausstellung in Lippstadt tritt die Installation in einen intensiven Dialog mit weiteren Arbeiten im Raum. An den Wänden finden sich gebogene, spiegelpolierte Metallflächen auf verschraubten Metallröhren aus dem Gerüstbau. Eine dieser Wandarbeiten ist mit leuchtenden LED-Lichtern in gebogenem Acrylglas versehen. Auch hier gibt es keine festen Formen. Es sind Oberflächen, aber auch Linien aus Licht. Greifbar und zugleich immateriell. Sie ziehen den Blick sofort an. Zwischen den Wandarbeiten und der großen Installation entstehen lebhafte Beziehungen. Das Auge wandert. Es tanzt durch den Raum. Von Werk zu Werk. Der Rhythmus verändert sich. Die Richtungen ändern sich. Kurven treffen auf Brüche. Schrägen auf Schwünge. Nichts ist starr. Alles scheint in Ausdehnung begriffen.
Auch die kleineren Objekte auf Sockeln entziehen sich klaren Grenzen. Obwohl sie kompakt erscheinen, lassen sie sich nicht als geschlossene Körper erfassen. Der Blick wird weitergetrieben. Über das Material hinaus. Es gibt Anklänge an Kreise oder Volumen. Doch auch diese werden immer wieder aufgebrochen. Zerstört. Geöffnet. Die Oberflächen erinnern an modellierten Schlamm. An zerdrückten, zusammengefügten Schrott. An Fragmente ohne ursprüngliche Form. Tatsächlich entstehen diese Arbeiten teils mit digitalen Werkzeugen, werden gegossen, bearbeitet, patiniert. Doch man erkennt diese Prozesse nicht. Das verstärkt ihre Unbestimmtheit. Man kann sie nicht eindeutig festlegen. Nicht materiell. Nicht formal. So erfahren wir auch hier die Auflösung der festen Form als Öffnung. Als Befreiung. Als Einladung an die Fantasie.
Die Bewegung entsteht im Sehen. In den ständig neuen Verbindungen, die der Blick herstellt. „daydream structures“ beschreibt nicht ein Objekt. Nicht einen Zustand. Sondern etwas Fließendes. Etwas Offenes. Einen Zustand, der sich im Wahrnehmen
permanent neu formt
Photography: Evangelos Papadopoulos
















